Subskription – Wie der traditionelle Weinhandel in Bordeaux funktioniert

Jedes Jahr im Frühjahr ist es wieder soweit und die Weinhändler, Weinkritiker und Journalisten aus aller Welt reisen nach Bordeaux, um den neuen Jahrgang, der in den Fässern reift, zu verkosten. In der En Primeur Woche können sich die Händler bei Verkostungen in den Châteaux einen Eindruck des Jahrgangs verschaffen und dahingehend die Subskriptionsangebote für ihre Kunden planen.

En Primeur Käufe sichern Zuteilungen rarer Weine

Einige Wochen nach den Verkostungen beginnt dann auch offiziell die sogenannte En Primeur Kampagne, die das weitere Verkaufsverfahren regelt. Die Courtiers erfahren von den Châteaux die Preise und die Mengen der Weine, die im Vorverkauf angeboten werden und bieten sie den Negociants an. Diese verkaufen die Weine weltweit an internationale Weinhändler weiter. Genaugenommen wird in dem Moment ein Zertifikat erworben, welches einem die gekaufte Menge zusichert. Denn die Weine verbleiben ab diesem Zeitpunkt noch für zwei weitere Jahre in den Kellern. Erst im dritten Frühjahr nach der Weinlese wird der Wein physisch verfügbar und an die Kunden versandt.

Dieses aufwändige Konstrukt geht natürlich auf einen historischen Ursprung zurück.

Handel mit langer Tradition

Der traditionelle Handel hat seine Wurzeln im 17. Jahrhundert, als der Weg von den Châteaux zu den Negociants im Zentrum von Bordeaux eine eintägige Kutschfahrt bedeutete. Deshalb sammelten die Courtiers gegen eine Provision die Informationen bezüglich der Mengen und Preise und brachten sie zu den Negociants. Sie wickelten schlussendlich auch das Geschäft als Vermittler ab. Auch wenn die Wege der Kommunikation heute schneller und reibungsloser verlaufen, hat sich an dem Prozess grundlegend nicht viel verändert.

Die Negociants hatten damals wie heute die Aufgabe, die Weine zu vermarkten und die verfügbaren Mengen der Weine sinnvoll zu verteilen. Ursprünglich war es noch so, dass die Negociants die Fassware von den Produzenten erhielten, diese selbst füllten und sogar unterschiedliche Châteaux miteinander cuvéetierten. Somit waren sie Abfüller, Händler und zugleich verantwortlich für die Vermarktung.

Erst seit 1967 werden die Weine auch in den Châteaux abgefüllt, um die von dem Produzenten gewünschte Qualität zu garantieren.

Klassifikation von 1855 legt einen neuen Meilenstein

Mit der Klassifikation im Jahr 1855 wurde ein Meilenstein gelegt, der die Präsenz und Hochwertigkeit bordelaiser Weine weltweit auf eine neue Ebene erhöhen sollte. Napoleon III hatte für die Weltausstellung in Paris eine Klassifizierung der teilweise schon renommierten Weine gefordert, welche in einer Einordnung der Châteaux in fünf Klassen resultierte, wobei es vier Premier Grand Cru Classés gab. Mouton Rothschild wurde als bisher einziges Château reklassifiziert und zählt seit 1973 auch zu einem der am höchsten eingestuften Château.

Bis heute werden die hochwertigen Bordeaux über den sogenannten Place de Bordeaux angeboten. Diese Bezeichnung, die nicht einen Ort bezeichnet, sondern viel mehr die etwa 400 Negociants umfassende Handelskultur, bietet die vorgegebene Menge mit einem Aufschlag an Weinhändler weltweit an. Sie sind damit auch für die Erschließung neuer Märkte und die Betreuung dieser verantwortlich. Heute hat der Markt allmählich begonnen, sich zu verändern. Es gibt Produzenten, die ihre Weine gänzlich selber vermarkten und verkaufen und sie nicht über den Place anbieten. Mittlerweile sehen sich auch die Produzenten mehr in der Verantwortung, das Marketing zu unterstützen und sich und ihre Weine international zu repräsentieren. Abhängig von den Qualitäten und Preisen der Jahrgänge kann der Kauf in der Subskription einen erheblichen Preisvorteil gegenüber einem Kauf in der sogenannten „Arrivage“ bieten, also dem Zeitpunkt, zu dem der Wein auch physisch verfügbar wird.

Wir sind schon jetzt sehr gespannt darauf, was der kommende Jahrgang in Bordeaux bringt und freuen uns auf die spannenden Verkostungen und eine anschließend gute Kampagne.

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